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  • Straßenrennen mit Jens Voigt, Deutscher Meisterschaftskrimi, misslungene Sprünge im Weltcup und die MAD East als Ausflug ins Land der Schmerzen

    2013 - 06.24
    Foto

    16facher Tour de France Teilnehmer Jens Voigt

    Fangen wir mit der leichten Lektüre an. Als Vorbelastung für mein Saisonhighlight, die Deutsche Sprintmeisterschaft, startete ich in Wittenberg zum Einladungsrennen durch die historische Altstadt, die noch das ruppige Kopfsteinpflaster aus Luthers Zeiten besaß.  Der Rundkurs über zwei Kilometer musste 30 Mal bewältigt werden und hatte wahrscheinlich bereits die ein oder andere Carbonfelge auf dem Gewissen. Neben Sprintgrößen, wie André Schulze und Steffen „Ratte“ Radochla, nahm sich auch Tour de France Star Jens Voigt ein wenig Zeit mit uns ein paar „gemütliche“ Runden zu drehen. Ich konnte mich mit einer Ausreißergruppe zweimal vom Feld absetzten, wurde jedoch immer wieder gestellt, weil einer der Fahrer das Tempo verschleppte. Highlight des Tages war, als mich Jens Voigt fragte, ob ich der einzige Mountainbike-Fahrer im Feld sei. Auf meine dumme Frage, warum, antwortete er nur mit einem Lächeln: „Weil kein normaler Straßenfahrer mit langen Handschuhen und langen Ärmeln bei diesem Wetter fahren würde“. Stimmt. dachte ich mir, denn schließlich sind ja auch einige klar denkende Straßenfahrer auf dem Sachsenring-Radrennen, bei gefühlten Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt in kurzen Hosen gefahren. Gern hätte ich unser Gespräch noch etwas weiter geführt, jedoch atmete ich, um locker zu wirken, durch die Nase. Leider wurde dabei der Sauerstoff immer knapper, sodass ich Jens nur mit den Worten „Ich muss jetzt mal nach vorne und etwas attackieren“ verabschieden konnte. Glücklicherweise kam eine Kurve und ich sah Ihn danach erst zur Siegerehrung wieder. Gegen Ende des Rennens entging ich nur haarscharf einem Sturz und entschied mich dazu „nur“ im Hauptfeld,aber dafür ohne Straßenflechten ins Ziel zu rollen.

    Deutsche Meisterschaft MTB-Sprint:

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    Foto: Ego-Promotion (M.Maasewerd)

    Der Druck war da, aber mein Körper streikte etwas. Der Kurs ging im Rechteck mitten durch die Singener Altstadt. Zwei Kurven waren mit mannshohen Anliegern ausgebaut, die man mit ca. !!30 km/h!! anfuhr. Auch direkt nach dem Start schoss man auf einen Tripple (drei kleine Hügel hintereinander), der ungebremst zum sicheren Sturz führte. In der Quali hatte ich die üblichen Probleme im Kampf allein gegen die Uhr. Dennoch reichte es für Platz 9. Meinen ersten Lauf, das Achtelfinale, konnte ich mit einem Sieg nach Hause steuern. Im Viertelfinale wurde die Luft dünner. Ich konnte mich hinter dem ehemaligen Fourcrosser Pfäffle aber auf Platz 2 einreihen. Beim Halbfinale war ein Sieg nötig um in das große Finale über Platz 1-4 einzuziehen. Neben Pfäffle kam auch der spätere Silbermedaillengewinner Andy Eyring dazu. Bis zur zweiten Runde rangierte ich auf dem undankbaren 3. Platz. Als ich am vorletzten Anlieger mit Volldampf hineinschoss, um zu versuchen Andy auf der folgenden Geraden Hopps zu nehmen, rutschte mir das Hinterrad weg. Ich konnte es zwar ohne Sturz aussteuern, hatte aber das Tempo von einer alten Dame mit Rollkoffer, die in der Rushhour einen Zebrastreifen überquert.

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    Foto: Ego-Promotion (A.Küstenbrück)

    Trotz größten Bemühungen konnte ich die Lücke bis zum Ziel nicht mehr schließen. Damit war der Traum von einer Medaille Schnee von gestern. Im kleinen Finale pfiff der Dampfkessel aus allen Öffnungen. Nach einem gemeinsamen Blitzstart mit Heiko Gutmann mussten sie hinter uns wahrscheinlich die Gummireste wegfegen. Ich lauerte eine Runde auf Rang 2, setzte eine Attacke und steuerte den 5. Rang mit Vorsprung nach Hause. Wenigstens war damit der Gang auf das Podium der Deutschen Meisterschaft noch möglich. Glückwunsch an den Sieger Simon Gegenheimer sowie die ebenfalls stärkeren Kollegen Andy Eyring, Christian Pfäffle und Martin Gluth.

     

    Die beiden Weltcups in Albstadt und Nove Mesto

    Ich fasse mich kurz. In Albstadt war Dreckswetter. Ich setzte auf profilierte Reifen und Starrgabel. Bei Besichtigung der kurz vorher aufgebauten Strecke unterlief mir ein doppelter Fehler. Es blieb trocken und die Strecke war so ruppig, dass ich fürchtete meine Starrgabel in Einzelteilen nach Hause tragen zu müssen. Leider blieb keine Zeit für einen Wechsel, da wir nur 30 min auf der Strecke trainieren durften. Ich startete mit dem Messer zwischen den Zähnen, bemerkte aber auf den Geraden, dass die Beine nicht erholt waren. Die Abfahrt der Treppe war mit dem Gefühl vergleichbar, auf einem Schrank Steinstufen herunter zu rodeln. Ich kam dennoch ohne Platten durch und kitzelte auf der letzten langen Geraden mit drei Sprungrampen alles aus meinem Körper heraus. Auf dem Zielanstieg brannte das Laktat in den Beinen  und die Atemwege kratzen, wie nach der ersten Zigarette auf Lunge (Anmerkung: Ich bin Nichtraucher!). Wären nach mir nicht noch mehr Fahrer gekommen, hätte ich mich auf Platz 23 qualifiziert. Am Ende fehlten mir zum nötigen 32. Rang nur 4 Positionen und 3/10 Sekunden! Ärgerlich! Sonntag zum olympischen Crosscountry, war es eine Katastrophe. Es regnete kurz vorher, am Anstieg stand ich im Stau und die Abfahrt war unkontrollierbar glatt. An den künstlich eingebauten  Steinpassagen konnte man fast noch die Hautreste der bereits Gestürzten sehen. Wer unter www.redbull.tv den Zusammenschnitt des Rennens ansieht wird ab Minute 0:46 erkennen, dass ich nur dank eines Baumes einer Fangopackung entgangen bin.  Ich rutschte den Rest des Rennens größtenteils kontrolliert am Limit, riskierte aber nicht zu viel und landete am Ende auf einem  sehr guten 83. Rang.

    Weltcup Nove Mesto na Morave (CZ)

    Eine Stunde Stau, sowie der sehr entspannte Fahrstil meines Teamfchefs schnürten unseren Zeitplan ziemlich eng.  Unser Fahrtempo ähnelte der Geschwindigkeit, die teilweise sonntags ältere Herrschaften mit einem selbstgehäkelten Wollüberzug über ihrer Klopapierrolle in der Heckscheibe  an den Tag legen (Natürlich nur aus Rücksicht auf die Spritpreise). Die Besichtigung der Strecke machte dann die Situation nicht besser. Ich hatte mich auf die Asphaltgeraden aus dem Vorjahr mit relativ wenig Technik eingestellt, wurde aber von drei Absätzen, die jedes 26 Zoll Vorderrad einfach verschlungen hätten, empfangen. Danach folgte ein Double  (Absprunghügel, dazwischen VIEL Nichts, Landehügel) sowie ein raues Steinfeld, dass jeder Käsereibe die Show gestohlen hätte. Obwohl mir schon meine Eltern in der Kindheit lehrten mit den Füßen auf den Boden zu bleiben, versuchte ich mich nach 2 Runden am Double. Ich schoss durch den Anlieger auf den Absprung zu und entwich mit allen Kräften der Bodenhaftung. Von der Seite ähnelte es wahrscheinlich einem Ballack-Oberlattenschuss beim Elfmeter. So schnell wie es mich nach oben katapultierte, holte mich die Gravitation auch wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Leider vor dem Landehügel. Es gab einen Knall, gefolgt IMG_2713von einer Latexmilch-Fontaine aus meinem Vorderreifen und einer Fallschuleinlage aus meinen früheren Judozeiten. Nach dieser ungewollten Umsatzsteigerung für meinen Laufradhersteller sammelte ich meine Einzelteile zusammen, bedankte mich kurz bei den Zuschauern für den Applaus und humpelte mit den Überresten zum Start zurück. Teamchef Bernhard baute in Windeseile mein zweites Rad auf, während ich mich auf der Rolle warm fuhr und mir einredete, dass die Strecke nichts Besonderes ist. Allerdings hinderten mich das schmerzende Handgelenk und der blau anlaufende Daumen von der Gehirnmanipulation. Dann folgte die Qualifikationsrunde. Jede Erschütterung schmerzte und  der Respekt oder mein Kontostand schützten mich davor, den Sprung ein zweites Mal zu probieren. Die verlorene Zeit versuchte ich mit dem Sprint auf dem Asphalt zu kompensieren. Trotz des Handicaps rollte ich auf Platz 26 ein. Leider folgten nach mir noch ein paar junge „Hüpfer“,  sodass ich knapp die nötigen Top 32 verpasste. Aus und vorbei. Sonntag rollte ich dann das CrossCountry Rennen für die 3 Punkte mit. Abfahrten musste ich tragen, da ich den Lenker gar nicht halten konnte. Nach zwei Runden schlug endlich die 80%-Regel zu und ich konnte die Rehabilitation einleiten.

    Weltcup Val di Sole am 13.und 15.6.

    Nach 3 Wochen Rehabilitation war mein Handgelenk wieder  bereit den Lenker zu halten. Zusammen mit meinem Vater machten wir uns ein entspanntes Männerwochenende. Als wir schnell mal die 1000km nach Val di Sole abgerissen hatten, schmerzte mir sofort wieder das Handgelenk, als ich die Sprintstrecke anschaute. Ein kurzer Start, ein steiler und vom Untergrund loser Anstieg und die Abfahrt komplett durch eine Fourcrossstrecke mit Sprüngen, Anliegern und Steinfeldern. „Super“, dachte ich, „ein Handgelenk ist ja noch in Ordnung“. Um keine Routine aufkommen zu lassen, reduzierten die Italiener die Trainingszeit von 30 auf 25 Minuten. Ganz egal, ich wollte die letzte Möglichkeit zur WM-Qualifikation nutzen. Ich drückte beim Einzelzeitfahren gleich richtig auf die Tube, sodass sich mein Vater, der mich am Start hielt, fast das abgerissene Gras aus den Haaren kämmen musste. Allerdings fuhr ich den Downhill als ob ich eine Stiege Eier in der Rückentasche gehabt hätte. Obwohl ich im Sprint auf der Zielgeraden über eine holprige Wiese nochmal flott unterwegs war, erwartete ich eine knappe Entscheidung. Doch dann blitzte eine 11 als Zwischenstand auf der Ergebnisliste. Nach Beendigung aller Teilnehmer war ich schlussendlich 18., was auf Weltcupniveau schon mal ein Lächeln ins Gesicht zaubern kann. Dieses verschwand kurzzeitig als die Namen meiner Gegner für das Achtelfinale vorgelesen wurden. Miha Halzer und Sepp Freiburghaus waren nicht aus Pappe und Gregor Raggl war für einen Österreicher auch nicht ganz langsam. Ich startete wie die Hausfrauen montags 8 Uhr in den Aldi und ging als Erster in den Anstieg. Leider entschied ich mich für die falsche Taktik und ließ vor der Abbiegung in den Downhill noch einen Gegner passieren, um auf der Zielgeraden aus dem Windschatten zu sprinten. Denn dabei kam nicht nur der am schwächsten eingeschätzte Raggl, sondern auch Halzer vorbei. Dieser bummelte und ließ Platz 1 entkommen. Auf den letzten Metern schoss ich mir vor Anstrengung das letzte Licht aus, kam sogar noch an Halzer nah heran, schied aber dennoch unglücklich hinter  dem frisch gekürten Vize-Europameister aus. Damit gibt es die nächste Chance auf eine Sprint-WM leider erst 2014.

    Das XC-Rennen lief trotz extremer Hitze gut. Ich kämpfte 5 Runden lang auf der sehr anspruchsvollen Strecke mit extremen Anstiegen gegen den Hitzetod und wurde dafür mit meinem bislang besten CrossCountry-Weltcupergebnis auf Rang 78 belohnt.

    Mad East Challenge in Altenberg 23.6.13

    Am Samstag kehrte ich an die Wurzeln meiner Radsportlaufbahn, nach Altenberg, zurück. Aus Trainingsgründen entschied ich mich nur für die 70 km Etappe am Samstag. Mit Staunen musste ich feststellen, dass der Sommeranfang auch in den Gipfeln des Erzgebirges angekommen war. Der relativ trockene Boden lockte auch viele ehemalige Teamkollegen sowie Bike-Urgesteine nach Altenberg. So legte Roland Golderer ein ziemliches Tempo vor, sodass es alle Couch-Potatos aus der Spitze sprengte. Ich war mir nicht sicher, ob er an der Spitze Kraft-Ausdauer trainierte oder seine Schaltung defekt war. Bei der Frequenz könnten die Altenberger auch noch die nächste Sonnenwende feiern, bevor Roland eine Kurbelumdrehung beendet hatte. Nachdem die Sportfreunde Baumgärtel, Schön und Scheffel von der Pannenfee ausgebremst wurden, musste auch ich mich trotz sanftester Fahrweise aus der vierköpfigen Spitzengruppe verabschieden und zur Pumpe greifen. Mit der ersten CO2-Kartusche füllte ich nicht den Reifen, sondern leistete eher einen Beitrag zur Klimaerwärmung. Freundlicherweise zeigte sich ein Mitstreiter sehr kollegial und warf mir seine Kartusche zu. Man merkt, dass man alt wird, wenn man keine Ahnung hat, wie das Ding funktioniert. Exkollege Sascha befreite mich aus der Notlage und reichte mir die bewehrte Handpumpe. Nach gefühlten 10 Minuten blies ich erneut ins Angriffshorn und fuhr den großen Gang soweit es das Gelände zulies. (Die Mad East Challenge trägt nicht umsonst ihren Namen, denn wenn es mal geradeaus und nicht durch Wassergräben, über schulterhohes Gras oder brutale Abfahren hinab geht, ist es entweder eine Verpflegungsstation oder die Zielgerade.) Anfänglich konnte ich Fahrer einsammeln, wie ein Schwammesucher Pilze im verregneten September. Doch nach zwei Stunden kam der Mann mit dem Hammer und meine Beine legten den Rückwärtsgang ein. Es folgte einer dieser Momente, in denen man das Rad vor Erschöpfung den Anstieg hoch schieben muss. Aber ich war nicht der Einzige. Ich übersah fast Steve Scheffel. Der war ebenfalls so grau, dass er sich farblich kaum vom Schotteruntergrund abhob. Eine Verpflegungsstation, 5 Stück Zuckerkuchen, ½ Tafel Schokolade und eine Flasche Cola beendeten den Bußgang und ich konnte 10 Minuten später wieder die Rakete zünden. So schnell wie ich wieder aufleuchtete, bremsten mich auch Krämpfe wieder aus und ich musste Udo Müller und Olaf Nützsche ziehen lassen. Am Ende rollte ich völlig breit nach 3:33h auf Platz 6 der Herrenklasse ins Ziel. Als i-Tüpfelchen musste ich feststellen, dass zeitgleich die Hochschul-DM im Sprint in Wetter ausgetragen wurde und ich nach aktueller Form und etwas Glück ein neues Trikot im Schrank gehabt hätte. Es kann also nur besser werden!

    Am kommenden WE werde ich mich mit einem Kriterium auf der Straße auf den Bundesliga-Sprint am 6.7. in Saalhausen vorbereiten!

    Sport frei,

    euer Marco