• Home
  • Bio
  • Erfolge
  • Ziele
  • Galerie
  • Material
  • Gästebuch
  • Links
  • Impressum
  • RSS Icon
  • Facebook Icon
  • Schlüsselbeinbruch #1, eine schnelle Genesung, nennenswerte Erfolge und die Tragödie von Norwegen

    2013 - 10.09

    IMG_3194-beschriftetIch habe mir eine kleine redaktionelle Auszeit genommen, um ausreichend Material für eine geschmeidige Story zu sammeln. Ich denke es ist mal wieder an der Zeit, die Katze aus dem Sack zu lassen. Doch diesmal haben die Erlebnisse einen faden Beigeschmack.

    Starten wir am 26. Juni. Ich bereitete mich mit meinem treuen Trainingspartner Manni in Jena auf Double-Sprünge der kommenden Sprintweltcups vor. Alles lief gut, ich gönnte mir danach noch ein paar Intervalle am Berg und belohnte mich mit einer steilen Abfahrt vom Fuchsturm hinunter nach Jena. Trotz Dämmerung schoss ich auf meiner Hausstrecke in eine Steilkurve und in mein Verhängnis. Ich ging mit aller Kraft in die Klötzer, da ein umgefallener Baum quer über den Weg ragte. Ich suchte vergeblich nach einer weichen Stelle für meine Bruchlandung. Als ich wieder Herr meiner Sinne war, merkte ich, dass mein rechtes Schlüsselbein die Biege gemacht hatte. Ohne Tränen, aber mit viel Schmerzen, zog ich mein Fahrrad aus dem Gebüsch und setzte den Abstieg zu Fuß fort. Es folgte die Diagnose laterale Claviculafraktur und eine Auszeit von 5 Wochen.

    Jeder Wiedereinstieg nach einer Zwangspause ist schwer, aber mit dem Bergsprint des

    Erzgebirgs-Bike-Marathon am Alp de Wettin galt es einen ganz harten Drops zu lutschen. 969108_560182084038078_920449727_nMeine Qualifikationszeit war nur 2 Sekunden langsamer als meine Bestzeit von 2012 mit guter Form. Doch im Finale brannten die Beine auf den letzten Metern wie Finalgon im Intimbereich. Dennoch konnte ich vor der tobenden Menge den Turbo zünden und den goldenen Nussknacker abholen. Am Sonntag, zum EBM 40km, standen die Beine von allein. Aber auch ein Kettenklemmer konnte meine Motivation nicht bremsen. Ich kontrollierte das Rennen vor Markus Werner, setzte mich nur leicht ab und verlies mich im Notfall auf den Zielsprint. 1002150_560181507371469_1643660651_nEine sichere Sache dachte ich. Doch dann setzte er in der letzten Kurve alle physikalischen Gesetze außer Kraft und schob sich an mir vorbei. Dafür hätte sich Mike Tyson selber ins Ohr gebissen. Die dicke Pyramide für Rang Zwei trocknete meine Tränen. Vielen Dank Albrecht Dietze!

     

     

    Am folgenden Wochenende ging es nach Flachau (AUT) zur Bike Night. Nr 221Der Anstieg war dunkel wie ein Bärenarsch und die Abfahrt auf der Ski-Weltcupstrecke nicht weniger spannend. Als der nächtliche Tau die Wiesenabfahrt unkontrollierbar machte und sich die Kurven mit Teilnehmern, die es zu überrunden galt, füllte, wurde es wirklich gefährlich. Irgendwann hörte ich auf zu zählen, wie vielen übergewichtigen Fahrern ich den Lenker versehentlich in die Bauchfalte rammte, weil sie die Spur schneller wechselten, als ich meine Unterhose. Immerhin war der Aufprall weich. Nach 1,5 h Belastung platzten an den Anstiegen meine Beine. Der Hammer traf sein Ziel, dennoch konnte ich mich im internationalen Feld auf Platz 16 retten.

    643922_609384129102315_2006446344_nAls Belohnung verweilte ich mit meiner Freundin in Österreich, um am folgenden Wochenende frisch in Kaprun zum XC-Battle des Ironbikes am Start zu stehen. Neben der Erholung handelte ich mir leider auch ein Magen-Darm-Virus ein. Ich hatte am Anstieg eine Spritzigkeit wie ein Schluck Wasser in der Kurve und musste enttäuscht nach dem ersten Durchgang die Nummer an den Nagel hängen.

     

    Um meine Billanz wieder aufzupolieren startete ich beim Mitteldeutschlandcup in Altenberg am Vorabend bereits zum Hillclimb. Ich schoss mit Schmauchspur ins Gelände und sicherte mir am Ende  mit 25 Sekunden Vorsprung den Sieg. Toller Erfolg an den Wurzeln meines Radsportursprungs, allerdings musste ich dafür am Folgetag mächtig bluten. Die Beine waren schwer wie Blei und ich litt extrem beim Versuch in der Spitzengruppe zu bleiben. Am Ende gingen der Tagessieg an Tom Ettlich und der Mitteldeutsche Meister an Florian Schön. Ich rettete mich mit nur 90 Sekunden Rückstand auf Rang 4 ins Ziel.

    IMG_3073Für die letzte Spritzigkeit sollte eine Woche später der Deutschlandcup in Dresden dienen. Zum Vorabend-Sprint  ließ ich kein Blatt am Baum. Ich gewann Viertel- sowie Halbfinale und wollte diese Tendenz bis zu bitteren Ende fortsetzen. Im Finale rutschte ich am Start weg und fand mich auf dem letzten Rang wieder. Stück für Stück legte ich mir die Gegner zurecht und konnte am letzten Anstieg sogar noch am Führenden vorbei schlüpfen. So sicherte ich mir die nächste Sprinttrophäe vor einem starken Steve Scheffel und Grzegorz Bem (Polen).

     

    Um den letzten Feinschliff für mein Saisonhighlight, den Sprintweltcup999983_288379274634556_2000999573_n in Norwegen zu bekommen, wagte ich mich auf dünnes Eis. Ich bestritt ein Rennrad-Kriterium in Wachau in der Nähe von Leipzig. Da ich mein Schlüsselbein nicht auf der Straße in alle Einzelteile zerlegen wollte, führte der einzige Weg aus der hektischen Mitte des Feldes nach vorn. Ich griff mit aller Kraft in die zehn Wertungen innerhalb der 40 Runden ein. Mir fehlte aber eine Mannschaft an meiner Seite, um mich gegen die anderen Teams durchzusetzen. Das war aber auch zweitrangig, denn hier ging es nur um die Formkurve und die zeigte steil nach oben.

     

    Dennoch sollte sich meine Reise zum Weltcup nach Hafjell/ Norwegen IMG_3163nach wenigen Tagen als Schuss in den Ofen entpuppten. Ich konnte meine Mutter für den Kurzurlaub als Edelhelfer begeistern. Wir hatten einen absoluten Lauf. Einen guten Flug, ein tolles Hotel, extrem gutes Wetter und konnten Gepäck UND Rad in unseren BMW Mini Leihwagen  pressen. IMG_3136Auch Lena Putz fand noch ein Schlupfloch, allerdings mussten wir dann wechselseitig ein- und ausatmen, waren aber dafür verdammt schick und sportlich unterwegs. Doch am 2. Tag wendete sich das Blatt. Ich trainierte auf der Sprintstrecke, die eher eine Mischung aus Hillclimb-. BMX- und Downhillrunde war. Zwei Doubles und ein Step-Up-Sprung waren einfach zu viel. Ich trickste mein von Nove Mesto gebrandmarktes Gehirn aus und  legte ein Brett zwischen Sprung- und Landehügel. Schon nach wenigen Anläufen gelang mir der Sprung ohne weitere Probleme. Da ich bis Mittag die Luftakrobatik in trockenen Tüchern haben wollte, rückte ich ohne Pause an die zweite Rampe. Da bei diesem Sprung mehr Fahrer eine Bodenprobe nahmen, als die NASA im gesamten Apollo-Programm, bildete sich ein beachtliches Publikum neben dem Landebereich. Beim Versuch, keinen Gesprächsstoff zu liefern, sprang ich den ersten Double ohne Netz und doppelten Boden, während ich beim Zweiten meine Bretter mit Platte dazwischen gelegt hatte. Sprung eins gelang tadellos, jedoch streichelte mein Zeigefinger aus Respekt kurz über den Bremshebel und drosselte meine Fahrt etwas. Es folgte eine Notlandung mit dem Hinterrad auf meinem Rettungsbrett, welches sich eher wie ein Sprungbrett bei einem 100kg Mann im Schwimmbad durchbog. Danach ist meine Erinnerung lückenhaft. Von Ohnmächtigkeit bis Gesichtsfeldausfällen war alles dabei. Mein Schlüsselbein ragte unter der Haut hoch wie eine Antenne und mir war klar, dass sich hier das Schicksal vor 3 Monaten wiederholt hat. Der Arzt vor Ort war wahrscheinlich noch in der Ausbildung. Ich konnte ihn gerade noch davon abhalten, mir die Schulter wieder einkugeln zu wollen. Im Krankenhaus von Lillehammer hielten sich die Ärzte bedeckt und legten mir einen Besuch der Kollegen in der Heimat nahe. Da Rückflug und Hotel bezahlt waren, nutzten wir die Zeit und ich schlüpfte von der Weltcupteilnehmer-  in die Zuschauerhose. Aber auch die letzte Nacht in Oslo konnte das Launebarometer nicht mehr nach oben reißen. In Jena angekommen, erwischte ich den einen motivierten Diagnosejongleur. Der erste Befund lautete „wahrscheinlich nichts gebrochen, Gilchristverband und in einer Woche wieder kommen“. Mein Nachdruck musste ihn verärgert haben, so röntgte er etwas an mir herum, schob mich in das CT, wechselte die Diagnose auf Schlüsselbeinfraktur mit Bänderriss und verdonnerte mich zu einem OP Termin in zwei Tagen. Das war mir ein bisschen viel Achterbahnfahrt und ich wandte mich an den Schulterspezialisten, der auch schon meinen Teamkollegen Christopher zusammengeflickt hatte. Er diagnostizierte einen Schlüsselbeinbruch an der gleichen Stelle wie Juni und operierte mich einen Tag später.  Mit der absoluten Zwangspause von 6 Wochen bleibt mir nichts anderes übrig, als das Saisonende einzuläuten. Das ist besonders tragisch, da ich mich seit Mai auf den Brasilride mit anschließendem Urlaub in Rio gefreut habe. Damit ist mein langfristiges Ziel und Lebensfreudespender dahin. Das tut verdammt weh, aber mittlerweile bin ich auf dem Weg der Besserung. Die Schulter kann ich überplanmäßig gut bewegen, ich gebe Vollgas in meinem 8-Wochenpraktikum in Würzburg und bin gerade dabei, mir neue Ziele für die kommende Saison zu stecken, denn nach der Saison ist vor der Saison.  Sport frei, bleibt gesund und auf bald!

    Dass es klappen wird, davon bin ich überzeugt. Denn innerhalb von 5 Wochen nach dem ersten Bruch im Juni konnte ich die ersten Erfolge verbuchen.