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  • Brasil Ride- von Sturz über Tränen am letzten Berg bis Durchfall im Rennen war alles dabei

    2012 - 09.27

    Nach der 4. Etappe muss ich mich mal wieder an den Computer setzen, um alle unglaublichen Dinge festzuhalten. Ich versuche mich kurz zu fassen.

    2. Etappe( 24.9.12, 143km):

    Im Ziel mit Krämpfen

    Ich müsste lange überlegen, um einem Moment zu finden, an dem ich bis jetzt mehr gelitten habe. Mein Partner (für alle zukünftigen Radsportfreunde: Brasil Ride wird im 2er Team gefahren) David Simon und ich haben versucht uns so lange wie möglich in der Spitzengruppe zu halten. Dabei ging es mit Tempo 40 über einen Sandweg mitten durch Plantagen. Es war ein Weg, wie man ihn nichtmal in Afrika erwarten würde. Schräger, fester Sandstein in der Mitte und in der Autospur loser Sand, der in kleinen Wellen angehäuft war. Ein echter Handgelenkskiller. Es staubte erbärmlich und nach 2 min fühlten sich die Augen wie nach einem Fernsehabend mit „der Sandmann“  in Dauerschleife. So rutschte auch der Olympiasieger von 1996, Bart Brentjens, unmittelbar vor uns weg und verursachte einen Massensturz. Ich ging in die Eisen und kam im Straßengraben zum Stehen. Zum Glück war die Spitze damit weg und wir konnten unser Tempo fahren, ohne uns dabei das Leben zu nehmen (bis zur Erschöpfung der Spitzengruppe hinterher hecheln). Noch nie bin ich mehr als 100km MTB im Renntempo gefahren, so bekam ich nach 5 h leichte Krämpfe und wir reduzierten das Tempo, da auch Davids Muskulatur den Dienst verweigerte. Nach 120 km gab es Red Bull und die Info, dass wir auf einem starken Platz 9 liegen. Ich motivierte David so sehr, dass er sich bis ins Koma fuhr. Der Junge quälte sich so extrem, dass wir ein weiteres Team überholten. Dennoch wollte der Berg nicht aufhören und als nach jeder Kuppe ein weiterer Anstieg zu sehen war, rollten die Tränen unter der Brille hervor, begleitet mit den Worten:“ Du ……., warum mache ich das hier eigentlich. So blöd kann man gar nicht sein.“ Die Krönung kam am letzten Downhill. Hier gab es Sandflächen, die sich bei einer Durchfahrt wie eine Nebelmaschine in der Disko verhalten. David erwischte bei Tempo 50 ein Loch und tauchte ab. Nur sein Fahrrad katapultierte es in die Luft. Ich warf erneut den Anker und hoffte ihn nicht im Nebel zu überfahren.  Als sich der Schleier löste, lag dort eine Sandskulptur in Raduniform. Der Wortlaut danach war: „Sind meine Zähne noch drin? Schwörst du? Schwörst du bei deinem Leben?“ Ich klopfte ihn ab, sammelte alle verlorenen Dinge zusammen und flehte ihn an weiter zu fahren. Wir hielten knapp den 8. Rang und David brach mit enormen Krämpfen im Ziel zusammen. Erst ein Arzt konnte die steifen Beine wieder lösen.

    3. Etappe( 25.9.12, Cross Country, 5x7km)

    Ich erlitt am ersten Anstieg einen Platten und musste das Feld von hinten aufrollen. Bei 40% Singletrackanteil war überholen fast ausgeschlossen. Nach 3 Runden fuhr ich wieder auf meinen Partner auf und wir beendeten das Rennen mit Vollgas im Duo. Das bedeutete im Gesamtklassement Rang 8.

    4. Etappe (26.9.12, 87 km)

    Wir bissen uns wieder in der Spitzengruppe fest und versuchten das Tempo zu halten. Nach ein paar kurzen, aber schmerzhaften Anstiegen entschieden wir uns für ein normal-sterbliches Tempo und fuhren unseren Stiefel. Nach 40 km kam ein Downhill durch urwaldähnliche Vegetation. Ich fuhr an der Spitze und löste beim Bremsen einen fussballgroßen Stein, der genau vor Davids Rad zum stehen kam. Als ich mich umdrehte, sah ich erneut diese Staubwolke. Als Polizist ist mein Partner aber ein harter Knochen. Er stand mehr oder weniger von allein auf und wir setzten die Fahrt fort. An der ersten Verpflegungsstation täuschte mich mein Verdauungssystem auf gemeine Art. Ich musste pullern und wollte dabei meinen Darm von etwas Restluft befreien. Was dann passierte, kann sich jeder selber denken. Bei Kilometer 60 machte sich die Diarrhoe dann offiziell bemerkbar, ich musste kurz abbiegen, traf hier aber mehrere Leidensgenossen. Wahrschlich ist es eine Kombination aus Belastung, Energieriegel und –gels sowie dem Trinkwasser.

    Am letzten Anstieg herrschten 43 Grad. Diesmal ging es mir dreckig und ich war kurz davor vom Rad zu kippen. Ein besseres Gefühl als die Bescherung am 24. Dez. war dann das Schild für die Verpflegung in einem Kilometer. Hier musste David magentechnisch abbiegen, während ich mir einen Wasserkrug nach dem anderen durch den Helm spülte. Am Ende erreichten wir völlig abgekämpft das Ziel und tranken ein paar Kokusnüsse.

    Jetzt stehen noch 3 Etappen auf dem Programm bevor wir eine Woche in Rio die Beine hängen lassen und unseren Körper zeigen, dass das Leben auch schön sein kann.